Wie vor ein paar Tagen bereits lautstark verkündet, bin ich unter die Mac-User gegangen. Lange schon hatte ich mit dem Gedanken gespielt, oft stand ich sogar kurz vor einem Kauf, aber in den meisten Fällen kam das stete, unter Apple-Usern leider sehr beliebte “warte lieber noch ein paar Monate, die stellen bald neue Geräte vor” in die Quere. Einmal hatte ich sogar schon ein 17″-Powerbook bei Gravis bestellt, aber weil die sich etwas doof anstellten — lange Geschichte — und ich auf einmal akuten Notebook-Notstand hatte, musste stattdessen schnell ein Sony Vaio-Notebook her.
Nun, jetzt bin ich also doch noch zu meinem Mac gekommen. Apple hatte gerade die neuen Intel-Geräte vorgestellt, die mich übrigens extrem heiß machen, aber so ein ausgewachsener, mit ordentlich RAM aufgepimpter 20″-iMac hätte einfach nicht in mein Will-Macs-ausprobieren-Budget gepasst. Aus diesem Grund ging ich einfach den entgegengesetzten Weg und kaufte mir den allerallerkleinsten Mac, den man zu dem Zeitpunkt bekommen konnte: einen MacMini mit 1.25 GHz. Nicht mal WLAN hat der! Aber das macht nichts, steht eh nur im Büro. Dafür war er sogar runtergesetzt und hat mich gerade mal €419 gekostet — ein guter Deal, wie ich finde.
Killer-Software
Einer der Hauptgründe dafür, dass ich mir einen Mac holen wollte, war die Software, die es dafür (und nur dafür) gibt. Ein paar von diesen Programmen durfte ich schon auf Danielas iBook ausprobieren, deswegen hatte ich bereits eine gute Idee davon, worauf ich mich einlasse. Hier meine Top Picks:
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Quicksilver rockt. Unendlich. Ja, es ist “nur” ein Launcher. Mit dem man hauptsächlich Programme startet. Ab und zu Dateien sucht. Aber er kann auch tausend andere Dinge, in die ich mich bei Gelegenheit einarbeiten sollte. Und ist einfach cleverer als die Konkurrenz. Wie gerne ich sowas für Windows hätte. Das, was Quicksilver dort am nächsten kam, war AppRocket von CandyLabs. Aber abgesehen davon, dass AppRockt anscheinend nicht mehr weiterentwickelt wird, wischt Quicksilver damit einfach den Boden auf. Eine gute Einführung in Quicksilver gibt’s übrigens auf 43folders.com.
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TextMate ist wohl sowas wie die Mutter aller Texteditoren — und diesmal nicht in einem masochistisch angehauchten Sinne. Ich erinnere mich an meine krampfhafte Suche nach einem wirklich tollen Windows-Texteditor für Programmierer. Die Auswahl dort ist groß, aber jeder Editor, den ich finden konnte, hatte irgendeinen Haken. Letztendlich bin ich damals bei SciTE gelandet, der nicht wirklich supermächtig, aber immerhin am wenigsten furchtbar war. (Und das sogar nach ein paar Monaten mit vim. Aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr darauf, mich selbst auszupeitschen.) TextMate macht irgendwie alles richtig: es hat äußerst solides Syntax Highlighting, das sogar Scopes unterstützt (z.B. Ruby-Syntax innerhalb von HTML, bei .rhtml); tolles, aber nicht überladenes Projekthandling inklusive einer famosen Quicksilver-ähnlichen Dateisuche; haufenweise durch Tastaturkürzel und Abkürzungen getriggerte Snippets (inklusive durch Tab anwählbare Platzhalter); und so weiter und so fort. Textmate rockt.
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Über ComicLife bin ich gestern eher per Zufall gestolpert. Man kann damit aus seiner Fotosammlung Comics bauen. Sehr einfach und sehr schnell: einfach Frames positionieren, Bilder reinziehen, Sprechblasen schreiben. Gleichzeitig bietet es aber auch genug Möglichkeiten, richtig ins Detail zu gehen und sehr, sehr aufwändiges Zeugs zu bauen. Gefällt mir sehr gut. Wenn ihr hier oder auf meinen anderen Sites in Zukunft mehr aus meinen Fotos gebaute Comics seht, wisst ihr, warum. :-P
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Adium ist ein toller Instant Messaging-Client, mit dem sich jeder Miranda-User sofort wohlfühlen sollte. Im direkten Vergleich zu Miranda bietet er unter Anderem eine wesentlich solidere Unterstützung der verschiedenen IM-Dienste und eine bessere Verwaltung von Meta-Kontakten. Oh, und hübscher ist er auch. Klar, Miranda kann man auch ordentlich aufpimpen, aber was das für ein schlimmer Aufwand ist…
Nervereien
Nicht alles ist rosig und irre und supertoll im Apple-Land. Vor allem, wenn man vorher fast 15 Jahre lang ausschließlich PCs benutzt hat. Da stolpert man auch mit den besten Absichten wohl oder übel über diverse kleine Mac-Macken. Ein paar von denen sind gar nicht so wild, weil man irgendwann merkt, dass OSX da einfach “anders tickt” als Windows. Ein paar andere sind dafür ziemlich seltsam. Allerdings bin ich ja ein echter Mac-Newbie, und vielleicht ist mir da einfach nur etwas völlig offensichtliches entgangen. Zögert bitte nicht, mich darauf hinzuweisen, sollte es so sein!
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Ziemlich durcheinander gebracht hat mich erst einmal die ungewohnte Tastaturbelegung. Dass einige von mir oft benutzte Zeichen wie z.B. Pipes oder eckige bzw. geschweifte Klammern auf Alt-5/6/7/8/9 liegen, daran habe ich mich relativ schnell gewöhnt. Frustrierender war die Tatsache, dass ich mit meinem vom PC gewöhnten @-Griff gerne mal die gerade aktive Anwendung geschlossen habe, denn über den PC-@-Griff landet man beim Mac auf Apfel-Q, und das Q steht für Quit. Grrr. Inzwischen habe ich wieder mein Apple Pro-Keyboard abgestöpselt und durch mein heißgeliebtes Microsoft Comfort Curve 2000 ersetzt, was u.A. den schönen Nebeneffekt hat, dass die Apfel-Taste jetzt links (statt rechts) neben Alt liegt und der PC-@-Griff damit nicht mehr tödlich endet. Puh.
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Apropos Apple Pro-Keyboard: da, wo sich auf handelsüblichen PC-Keyboards die Tasten Home/End/PageUp/PageDown befinden, hat das Apple-Keyboard ein paar Tasten, die mir überhaupt nichts sagen. Ich weiß nicht, was die Symbole bedeuten sollen. Und bisher hat mich auch noch nie eine Anwendung dazu aufgefordert, eine von ihnen zu betätigen. Hilfe, was ist das Zeugs? Es ist unheimlich und macht mir Angst!
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Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen scheinen viele modale Dialogfenster nicht komplett per Tastatur bedienbar zu sein. Das nervt etwas. Situation: ich bearbeite einen Text und beende die Anwendung mit Apfel+Q. Ich werde daraufhin gefragt, ob ich die Datei speichern will. Als Antwortmöglichkeiten werden mir “Ja”, “Nein” und “Abbrechen” angeboten. Der “Ja”-Button ist blau gefärbt, um mir zu signalisieren, dass ich ihn auch durch Druck auf die Enter-Taste betätigen kann. Mit Escape kann ich selbstverständlich “abbrechen”, schön und gut. Aber was ist, wenn ich das Programm zwar beenden, aber die Datei nicht abspeichern will? Dann muss ich zur Maus greifen und den “Nein”-Button anklicken, denn einen Weg, ihn per Tastatur zu betätigen, scheint es nicht zu geben; weder kann ich “n” für “Nein!!1!” drücken, noch kann ich mit den Pfeiltasten andere Buttons anwählen. Irgendwie kann ich mir immer noch nicht vorstellen, dass das wirklich so sein soll. Ich werde den Verdacht nicht los, dass ich einfach etwas verpasst habe. Vielleicht kann mir ja einer von euch Mac-Profis dort draußen helfen?
Update: Wie erwartet hatte ich einfach nur etwas verpasst, und zwar die in der deutschen Version von OSX etwas dämlich klingende Systemeinstellung “In Fenstern und Dialogen mithilfe der Tabulatortaste der Reihe nach auswählen”, die bisher aufgrund ihrer komischen Formulierung von meinem Hirn ignoriert wurde, bis Carlo und Patrick mich auf sie hinwiesen. Ist sie einmal aktiviert, kann man tatsächlich mit Tab die anderen Buttons in den modalen Dialogfenstern ansteuern. Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, wieso so etwas überhaupt eine Option ist, die auch noch standardmäßig ausgeschaltet ist. Pft!
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Die Browser-Situation unter OSX empfinde ich als dezent frustrierend. Firefox für OSX ist (nicht nur) zu meiner eigenen Überraschung viel zu klotzig, träge und hässlich. Es gibt eine optimierte Version, die etwas schlanker und hübscher daherkommt, aber auch die kickt nicht so wirklich. Viele Mac-User scheinen auf Safari zu schwören, den ich gar nicht mal so übel finde, eher im Gegenteil — leider scheint seine Rendering-Engine wohl ein paar Kompatibilitätsprobleme mit verschiedenen Sites zu haben, weswegen ich erst einmal bei Camino gelandet bin, einem kleinen, schlanken Browser auf Basis der auch von Firefox verwendeten Gecko-Engine, aber ohne den ganzen XUL-Ballast, der Firefox so fett macht. Camino ist zum normalen Browsen schonmal sehr brauchbar, allerdings vermisse ich beim Entwickeln meine Firefox-Lieblings-Plugins so sehr, dass ich inzwischen zwischen den beiden Browsern hin und her wechsle. Kein Weltuntergang, aber auch nicht gerade optimal.
Überraschungen
Okay, genug mit der Meckerei. Obwohl ich ja vorher schonmal auf Danielas iBook mit OSX rumspielen konnte und mich deswegen nicht völlig unvorbereitet in dieses Abenteuer stürzte, gab es nach dem Kauf meines MacMinis auch ein paar echte Überraschungen:
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Beim Auspacken, Aufbauen und Inbetriebnehmen hat mich der MacMini irgendwie an eine Spielkonsole erinnert; man befreit ihn aus der Apple-typisch verdammt schicken Verpackung, schließt Strom, Netzwerk, Monitor, Maus und Tastatur an, schaltet ihn an und kann sofort loslegen. OSX erkennt die Netzwerkkonfiguration automatisch, aktualisiert sich schnell selbst, und steht dem Nutzer ratzefatz zur Verfügung. Sehr, sehr cool und irgendwie völlig anders, als man das von Windows-PCs gewöhnt ist, obwohl es ja keine Magie ist. Die Mischung aus “sieht toll aus” und “funktioniert einfach” macht’s.
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Die Performance ist wesentlich besser als erwartet. Als ich die Daten des MacMinis sah — 1,25 GHz, 512 MB RAM — machte ich mich auf das Schlimmste gefasst. Aber die Performance ist lange nicht so übel wie befürchtet, im Gegenteil: ich kann durchaus einen ganzen Haufen Anwendungen gleichzeitig laufen lassen, ohne dass mir alles zusammenbricht. Klar, schnell ist er nicht, der Kleine; Anwendungen wie Gimp brauchen schon so ihre Zeit zum Laden und sind dann auch ein klein wenig träge, World of Warcraft brauche ich erst gar nicht zu probieren. Aber die meiste Zeit arbeite ich nunmal mit TextMate, dem Terminal, vielleicht noch CocoaMySQL; da stört das alles nicht besonders.
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Es ist alles wirklich extrem hübsch. Der Rechner selbst, das Betriebssystem, die Software — die Leute haben begriffen, dass das Auge eben doch mitarbeitet. Nie wieder muss man sich einem Horror wie diesem hier hingeben. Brr. :-)
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Viele der Dinge, die auf dem Mac einfach anders funktionieren als auf dem PC, ergeben tatsächlich sehr viel Sinn, wenn man sich einmal näher damit beschäftigt. Zum Beispiel fand ich es zuerst sehr seltsam, den Curser mit Apfel+Links und Apfel+Rechts an den Anfang bzw. das Ende der Textzeile zu setzen. Dann habe ich irgendwann gemerkt, dass Apfel+Hoch und Apfel+Runter ihn auch an den Anfang bzw. das Ende des Dokuments setzen, und auf einmal machte diese Belegung sehr viel Sinn — mehr, als speziell dafür ausgelegte Tasten zu benutzen. Anderes Beispiel! Als ich mit Adium anfing, versuchte ich krampfhaft, ihm eine ähnliche Funktionsweise wie Miranda beizubringen: ich wollte, dass es bei neuen Nachrichten die Nachrichtenfenster nicht automatisch öffnet, sondern mich durch ein blinkendes Icon o.Ä. benachrichtigt und dann geduldig auf meinen Doppelklick auf besagtes Icon wartet. Ich konnte dafür einfach nirgendwo eine Einstellungsmöglichkeit finden, auch Google konnte mir nicht helfen. Tatsächlich war ich wohl nicht der einzige mit dem Problem, und die einzige Aussage seitens der Entwickler war: “Ne, machen wir nicht.” Na toll. Aber dann fiel mir irgendwann auf, dass ich in OSX mit Apfel+H die gerade aktive Anwendung verstecken kann (und noch besser: mit Apfel+Alt+H alle Anwendungen bis auf die gerade aktive — das ist geil!). Und siehe da, Adium muss einfach nur auf diesem Weg versteckt werden, um genau so zu ticken, wie ich es gerne hätte. Wenn ich von Adium nicht gestört, es aber nicht komplett schließen will, verstecke ich es einfach — und wenn mir jetzt jemand eine IM-Nachricht schickt, fängt Adiums Dock-Icon an, im Abstand von 15 Sekunden freudig zu hüpfen. Das finde ich noch wesentlich angenehmer als das konstante Blinken eines Miranda-Icons. Toll! Inzwischen benutze ich sogar ein Adium-Icon-Set, das das Adium-Dock-Icon mit einem dezent pulsierenden Ausrufezeichen versieht, um mich auf die wartenden Nachrichten hinzuweisen. Perfekt.
Fazit
Ich liebe meinen MacMini. Klar, unter Windows kann ich auch arbeiten. Aber unter Apple OSX macht es einfach mehr Spaß. Und das nicht nur, weil es hübscher ist. In meinen Augen hat sich der Kauf also auf jeden Fall gelohnt, wobei mir heute schon klar ist, dass irgendwann ein mächtigeres Gerät in mein Büro muss. Apple will ja die komplette (Rechner-)Produktpalette bis Ende des Jahres auf Intel-CPUs umstellen. Ich werde also mal schauen, was da noch kommt, und mir gegen Ende des Jahres vielleicht einen Intel-iMac oder den mit Sicherheit kommenden PowerMac-Nachfolger holen. w00t!