Kevin Clark erklärt ein wenig Rails for Designers. Schön und gut. Ich freue mich für alle Designer, die sich aufgrund des Artikels Rails anschauen, toll finden und vielleicht sogar einsetzen.
Ohne solche Artikel schlecht reden zu wollen, möchte ich jedoch trotzdem eine kleine Warnung aussprechen. In der Hoffnung, Missverständnisse zu vermeiden.
Rails ist kein Wunder-Zauber-Blümchen-Framework, das einem sämtliche Arbeit abnimmt. Manche Leute denken, Rails sei so toll, weil es den gemeinen Webentwickler von “Hindernissen” wie SQL, Formulargenerierung und so weiter befreie. Das stimmt nur halb; natürlich greift einem Rails da extrem unter die Arme, aber wenn man sowas vorher nicht schon zu Fuß gemacht hat, fällt man früher oder später auf die Nase (Lesetipp: The Law of Leaky Abstractions von Joel Spolsky) und wundert sich, welche Rollen eigentlich :foreign_key und :association_foreign_key bei einer habtm-Beziehung eines Modells auf sich selbst spielen. Verwirrt? Eben! Um Rails richtig verstehen und letztendlich nutzen zu können, muss man einfach schon Erfahrung mit der Entwicklung von Webanwendungen haben. Man muss wissen, wofür JOINs gut sind, wie Sessions funktionieren, wie HTTP tickt — und in welchen Situationen man sich für welche Strategie entscheidet, Entwicklungsmuster halt. Denn Rails ist eben kein Wunderframework, sondern ein eigentlich sehr bodenständiges Tool, das das Anwenden in der Webentwicklung üblicher Entwicklungsmuster extrem vereinfacht. Wenn man die kennt, mit ihnen jongliert und sich bei der Arbeit mit PHP immer wieder darüber ärgert, dass man verschiedene Trivialitäten immer wieder neu baut, kann man mit Rails verdammt viel Spaß haben. Wenn nicht, kommt irgendwann der Moment, wo man Rails doof findet, weil es nicht so tickt, wie man es selber gerne hätte — ohne zu verstehen, warum.
Immer wieder fragen mich Freunde und Bekannte, ob sie sich auch mal in Rails einarbeiten sollen. In der Regel sage ich ihnen, dass sie es schon selber merken werden, wenn sie soweit sind. Das klingt furchtbar abgehoben und pseudophilosophisch, aber aus meiner Sicht stimmt das genau so. Wer mit PHP & Co zufrieden ist, möge es bitte weiterhin benutzen — und Rails erst dann anschauen, wenn er das Gefühl hat, mit PHP eine gewisse Grenze erreicht zu haben. Diejenigen, die nur ab und zu “ein bisschen was im Web” machen, haben da noch eine spannende und lehrreiche Reise vor sich.